Britneys kurze Playback-Show
Oops, sie hat es schon wieder getan – in der Frankfurter Festhalle. Es sollte Britney Spears’ großer Tourauftakt der “Onyx Hotel Tour” in Deutschland werden. Ein Tourauftakt war es – nur leider kein großer. Die Musik kam aus der Konserve, der Sound war bescheiden: Übersteuert und laut, die Lichter grell und die stimmlichen Parts kaum zu verstehen.
Sehr bedauerlich, denn die Varieté-Show in ihrer choreografischen und dramaturgischen Ausprägung war durchaus gelungen. Auf einer gigantischen Bühne mit überdimensionalen Monitoren tobte sich Britney mit ihren Tänzerinnen und Tänzern richtig aus. Egal ob im Varieté-Style, mit Ballett-Einlagen oder in einem überdimensionalen Bett in den anzüglichsten Posen: Die Show war trotz des miesen Sounds mehr als gelungen.
Ein kleiner dicker Hotel-Portier im Boy-Goerge-Outfit eröffnet die Show, begrüßt die Gäste im “Onyx Hotel” und kommt leider immer mal wieder, um mit nervigem wie unverständlichem Geschwätz das Publikum bei Laune zu halten und zum zehnten Mal Miss Britney Spears anzukündigen. Die Grand Dame selbst nutzte diese Gelegenheiten für ihre zahlreichen Outfit-Wechsel, schlüpfte mal in pinkfarbene Dessous und schwarze Netzstrümpfe, mal in Baggypants für eine Rappnummer und begeisterte ihr überwiegend junges Publikum gleich zu Beginn in eng anliegende Lederpants und einem Oberteil, aus dem mehr rausguckte, als verborgen werden konnte. Ob das allen Eltern immer gefallen hat, sei dahingestellt: Die Kinder und Teenies in der Halle bekamen teilweise viel Sex um die Ohren.
Hysterisches Kreischen brach aus, als Britney mit “Toxic” die Großveranstaltung für die anwesenden Kinder und deren Eltern eröffnete. Die “Sexiest Woman 2004″ wackelte mit den Brüsten, schüttelte die Hüften und rutschte lässig an einer Stange herunter – Britney gab sich lasziv und geizte nicht mit ihren Reizen. In Netzstrümpfen und plüschigen Pantys sang sie zur Bigband kaum wieder erkennbar ihren ersten Hit “Hit Me Baby One More Time” und “Oops I Did It Again”. Den Kleinen in der Halle hatte das anscheinend gefallen, obwohl die Stimmung größere Wogen schlug, als Frau Spears sich gerade mal wieder an einem ihrer Tänzer gütlich tat, provokante Stellungen andeutete und schließlich heiße Küsse austauschte. Ansonsten war die Stimmung in der Festhalle eher vergleichbar mit einer Friedhofsbesichtigung.
Schließlich wurden die Hotelbetten aufgefahren. Während Britney sich allein in der Badewanne räkelte, amüsieren sich die Tänzer und Tänzerinnen in den Betten der ersten Etage. Da hat manch Vater seiner Tochter wohl die Augen zuhalten müssen. Andere jünger Zuschaur haben zu der Zeit – zum Glück für die Eltern – schon auf den Rängen geschlafen oder quängelten, dass ihnen langweilig sei. Zugegeben, es war ja auch schon recht spät: Britneys Show begann um 21.30 Uhr – für viele Kinder schon später als die Bettgeh-Zeit. Trotzdem, diese Etage im “Onyx Hotel” war wohl eher dem reiferen Publikum zugänglich.
Per Videoleinwand blendete man die ein oder andere Szene aus der aktuellen DVD “In The Zone” ein, eine Überleitung zu neuem Outfit und dazugehörigen Song. Auch Britneys neue Single “Everytime” wurde per Videoeinspieler angekündigt. Wider Erwarten wurden keine Ausschnitte aus ihrem Schockvideo präsentiert, sondern eine naturverbundene Britney, die durch einen paradiesischen Garten schreitet. Auf der Bühne war vom Tropengarten nicht mehr allzu vie übrig. Dafür saß die 22-jährige am Klavier und täuschte nicht nur den Gesang sondern auch noch das Tastendrücken an.
Schließlich schloss sich die Tür des “Onyx Hotels” nach 70 Minuten. Nicht gerade viel für 50 Euro Eintritt. Die Zugabe bestand aus einem einzigen Song. Britney und ihr großes Idol Madonna im Duett aus der Konserve. Glaubwürdig war das nicht. Entsprechend schnell spurteten die Konzertbesucher danach aus der Halle. Mit gemischten Gefühlen. Von “enttäuschend” bis “hammergeil” befanden die Konzertbesucher zwiespältig. “Da seh ich mir lieber die DVD an. Da stimmt wenigstens der Sound” so ein leicht erboster Zuschauer, der aufgrund des verpatzten Tons keinen einzigen Song verstanden hat und von der sexy Show kaum etwas erkennen konnte. Wer auf den Kick verzichten kann, Britney live zu sehen, der sollte tatsächlich zu CD oder DVD greifen. Alle anderen können noch bis 28. Mai im “Onyx Hotel” einchecken.
erschienen bei T-Online Musik, Co-Autor Björn Widmann, Mai 2004 
Stichworte: Britney Spears, Konzert, Musik, Pop

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