
Per Billigflieger durch Europa. Unsere Reporterin führt fleißig Tagebuch und berichtet live!
Auszug:
Und los geht’s!
(Frankfurt Hahn) Wir starten mit einer beharften Boeing 737, einer Hühnerkiste, die zittert und bebt, als der Kapitän endlich die Maschine in Gang setzt. Ich muss grinsen. Zwei Wochen Recherchereise und eigentlich, ja, Urlaub. In Städten, die ich teilweise noch gar nicht kenne, aber natürlich schon immer mal sehen wollte. Bevor Whitesnakes “Here I Go Again” so richtig abgeht, bittet die Stewardess, den MP3-Player auszuschalten. Na gut, dann eben ein unmusikalischer Take-Off. Neben mir hockt ein Engländer – angetrunken und verschwitzt. Ich dreh den Kopf also doppelt so gern nach rechts zum Fenster. Wir geben Gas und starten durch.
Es geht doch nichts über ein bisschen Adrenalin. Ich liebe Fliegen, und genau deshalb ist das hier auch ein City-Hopping per Flieger. Mal abgesehen davon, dass man mit der Bahn nach Reykjavik gar nicht kommen könnte. Das ist die erste Station: Reykjavik. Leider geht der Billigflieger ab Frankfurt Hahn im Winterhalbjahr nicht. Ich muss also einen kleinen Umweg über London nehmen, wenn ich Geld sparen will. Von dort aus bringt mich Iceland Express in ganz normaler Geschwindigkeit für gerade mal 60 Pfund auf die Eisinsel. Alle anderen Städte kann ich dank gut ausgebautem Streckennetz mit Ryanair zurücklegen, als da wären: London, Stockholm, Rom und Barcelona. Alles in den nächsten zwei Wochen abzufliegen. Ich arbeite mich sozusagen von ganz kalt nach lauschig warm durch. In diesem Sinne guck ich mir grad die Flauschedecke an, über der wir gemütlich durch die Lüfte gleiten.
Durchsage: Wir sind in zehn Minuten da. Schon? Eine Stunde – das ging ja fix. Über London hat jemand ein paar Löcher in die Flauschedecke gerissen und ist dabei ziemlich unsauber vorgegangen. Die Wolken sind nicht mehr weiß, sie sind schmutzig und grau und verheißen das Erwartete. Es regnet. Ich habe keinen Sonnenschein erwartet. Das ist ok. Ich hab auch gar keine Zeit, um lang und breit über das Wetter zu sinnieren, muss weiter zum Check-In. Der Flieger nach Keflavik steht schon bereit. Also ab in die nächste Maschine und auf zur nächsten, vermutlich ebenfalls verregneten Atlantikinsel. Dort wartet bereits ein guter Freund, der mir “seine Insel” bzw. ihre Hauptstadt zeigen will. Wenn ich in drei Tagen von dort also wieder starte, werde ich einiges zu berichten haben.
Bis bald, Deutschland!
erschienen in T-Online Reisen, 30/9/ bis 14/10/2004
