Dido begeistert Frankfurt

Man mag von ihrer Musik halten was man will, aber auf der Bühne überzeugt Dido vollends und jeden. Beim gestrigen Tourauftakt in Frankfurt bot die zierliche Londonerin große Unterhaltung, sanfte Musik, ganzen Stimm- und Körpereinsatz und viel Spaß.
Richtig: Spaß! Dido Armstrong ist keine automatisierte Bühnenpuppe, die von einem “Der nächste Song heißt…” zum nächsten “Ich nannten diesen Song… ” springt, sondern ihrem Publikum einen kleinen amüsanten Einblick in ihr Leben gibt und dabei natürlich und nah wirkt.
Gerade mal zwei Alben gibt es von der Britin. In einem 90-minütigen Konzert kann man also fast alles aus ihrem Repertoire erwarten. Und das kam auch. Von ihrem ersten Hit “Thank You”, bekannt geworden durch die Rap-Version “Stan” von Eminem, über ihre erste Hit-Single “Here With Me” bis hin zu den Abräumern ihres aktuellen Albums “Life For Rent” war alles dabei, was die Anhänger begeisterte und die Zuhörer verzückte.
Sie könne nicht viel Deutsch, nur vier Worte, erklärte Dido nach den ersten Songs. “Guten Abend” sei so ein Wort und “Danke schön” ein weiteres. Was war doch gleich das dritte? Ach ja “Ein Bier, bitte”. Wie immer, wenn ein englischer Muttersprachler versucht seine Fans mit einigen deutschen Sprachbrocken zu beeindrucken, rasten die Kids in der ersten Reihe aus. Als ihr schließlich gegen Ende der Veranstaltung das vierte “Wort” einfällt, schmunzelt die ältere Generation auf den Tribünen nur noch. “Ich liebe dich” sei das vierte, was sie auf Deutsch kann. Das hat sie auch schon des Öfteren irgendeinem Kerl gesagt, auch wenn sie es gar nicht so gemeint hatte. Sie fand das besser als “Ein Bier, bitte”. Da hat sie wohl Recht.
Apropos Männer: All ihre Songs schreibt Dido selbst. Seit sie ein Teenie war. Und das aus einem einzigen Grund: weil sie damit Jungs anmachen wollte. Und dann hat sie es zum Hobby gemacht. Einer, wenn nicht sogar der erste Song, den sie je geschrieben hat, gehört zu dieser anekdotische Anspielung: “Take My Hand”. Das Publikum ist begeistert, klatscht fleißig im Takt und spendet Beifall.
Aus Didos Privatleben erfahren wir weiterhin, dass “Hunter” ein sehr persönlicher Song ist. Er handelt von Single-Sein, etwas, dass sie so jeden Monat einmal neu erfahren darf. Diese Frau hat Humor, nimmt sich selbst auf die Schippe! “Sand In My Shoes” hat die andere Seite der Medaille parat. Dido besingt nach eigenen Angaben einen Urlaubsflirt (von denen sie öfters mal welche hat), der allerdings nach drei Wochen an der heimischen Türe klopft und gar nicht mehr so toll aussieht wie im Urlaub. Der Songs selbst handelt jedoch von den zwei Wochen zwischen Urlaub und Auftauchen an der Tür, der kompletten Verliebtheit also. Die Art wie sie die Geschichten erzählt, belustigt das Publikum, das sich seinerseits mit Applaus davor, danach und währenddessen revanchiert.
Zu “Mary’s in India” weist Dido vorsichtshalber vorher schon darauf hin, dass sie ja wohl eine ziemliche Schlampe wäre, wenn dieser Song wahr wäre. Darin geht es nämlich um eine Freundin, die der anderen den Kerl ausspannt. Das würde sie nie tun und überhaupt: Mary ist ihre beste Freundin und der Song war ein Gag um Mary aufzumuntern. Kichern auf dem Platz und Dido greift selbst zur Gitarre. Mit der Story im Hinterkopf wirkt “Mary’s in India” doch äußerst überzeugend.
Dido singt also nicht nur live, sie spielt auch gleich noch ein bisschen Gitarre, greift auch mal zum Tamburin und gibt schließlich als Zugabe “Do You Have A Little Time” am Ersatzklavier bzw. Keyboard. Drei Songs präsentiert Dido als Zugabe. Als letztes gibt sie uns “See The Sun” mit auf den Weg, sagt noch einmal “Danke schön” und verschwindet hinter der Bühne. Die Menge badet noch einmal in der künstlichen Sonne des goldgelben Scheinwerferlichts, bevor auch das verlischt und man den Opernplatz räumt, mit einem friedlichen “Nanana…” zur “White Flag”-Melodie auf den Lippen.
erschienen in T-Online Musik, Mai 2005

Stichworte: Dido, Konzert, Musik, Pop

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