Ferien im Farbenrausch

  • texte reisen
12. März 2010


Kirschbäume, Hortensien oder Wildblumen – für Naturliebhaber ist ihre Blütezeit die schönste Reisezeit. Wir sagen, wann was wo blüht

Sie bieten nur für kurze Zeit ein farbenprächtiges Spektakel – die zartrosa blühenden Mandelbäume am Mittelmeer, die violetten Lavendelfelder im Süden Frankreichs oder die blaue Blumenpracht der Hortensienblüte auf den Azoreninseln. Wer diese Naturphänomene erleben will, braucht ein gutes Timing. Wir verraten, wann Blütenfans am besten auf ihre Kosten kommen.

Mandelblüte auf Mallorca

Sputen muss sich, wer dieses Spektakel in diesem Jahr noch erleben will. Mitte Februar erreicht die Mandelblüte auf der beliebten Baleareninsel ihren Höhepunkt. Schon Mitte Januar platzten die ersten Knospen auf. Rund sieben Millionen Mandelbäume verwandeln jedes Frühjahr weite Teile der Insel in einen zartrosa Blütenteppich. Von Ost nach West knospen die Blüten von Mandeln und Aprikosen nach und nach auf. Rund um Llucmajor zum Beispiel, sorgen Plantagen für den Meereffekt und am Klosterberg Randa leuchtet es ebenfalls rosa und weiß. Bis in den März hinein können die blühenden Landschaften noch bewundert werden.

Kirschblüte in Japan
Kirschbäume sind keine Seltenheit, auf der nördlichen Halbkugel sind sie auf jedem Kontinent zu finden. Und doch ist die japanische Kirschblüte eine Attraktion für Einheimische wie Touristen. Die Kirsche, japanisch Sakura, ist der Symbolbaum Tokios und wird landesweit verehrt wie eine Reliquie. Schnörkellos schön und zerbrechlich zart spiegelt sie die Seele Japans wider und taucht als ersehnter Frühlingsbote die Hälfte des gesamten Laubbaumbestands Nippons in zartrosa und weiß. Von der südlichsten Insel Kyushu wandert die Blütenfront ab März nordwärts bis sie im Mai in Hokkaido ankommt. Nur zehn Tage währt die Blüte, während der die sonst so zurückhaltenden Japaner in Parks und Gartenanlagen strömen und unter den weiß rieselnden Bäumen überschwänglich bei Snacks und Sake feiern. In vielen Parks setzt man die zauberhafte Blütenpracht der Sakura auch nachts in Szene und leuchtet den Blütenregen opulent aus. Wann und wo die Knospen aufspringen, wird in Zeitungen und Fernsehen dem Wetterbericht ähnlich verfolgt und ausschweifend kommentiert.

Lavendelblüte in der Provence
Keineswegs nur ein Traum für Mottenhasser und Potpourrifans: Zum Urlaub in der Provence gehört immer auch der Lavendel, sei es in Form eines Souvenir-Leinensäckchens, eines Besuchs im Lavendel-Museum in Coustellet oder einer Einkehr im meist fotografierten Kloster der Provence. Denn die violetten Felder vor seinen Toren geben dem alten Gemäuer der Abtei von Sénanque einen frisch duftenden Rahmen. Rund um Nyon verwandelt sich im Juni und Juli das Grün der Ebenen in ein Meer aus Lila, das entlang der Lavendelstraßen zwischen Mont Ventoux, Luberon, Montagne de Lure und dem Plateau de Valensole bequem auf der Durchfahrt bestaunt und erschnuppert werden kann. Am 15. August feiern die Provencalen zum Ausklang der Lila-Saison das Lavendelfest in Sault.

Lupinenblüte auf Island
Sie duften zwar nicht so gut wie Lavendel, aber farblich kann der Wildwuchs der Lupinen auf Island mit der Lilablütenwelt der Provence locker mithalten. Ursprünglich als Erosionsschutz aus Alaska eingeführt, hat der Bestand der Lupinen die Insel im Nordatlantik mittlerweile fest im Griff seiner Wurzeln. Von den Isländern beschimpft als Unkraut, das überall sprießt, erfreut die Futterpflanze das Auge der Besucher, die vom Mai bis in den Juli eine karge baumlose Landschaft in facettenreichen Blautönen erblicken.

Hortensienblüte auf den Azoren
Eine überschwängliche blaue Blumenpracht überzieht im Juli und August die Vulkanhänge der Azoreninseln. Und nicht nur die. Hortensienhecken säumen kilometerlang Straßen, Weiden und Häuser. Die Insel Faial erhielt des Blütenschimmers wegen sogar den Beinamen “Blaue Insel” und bietet zahlreiche Wanderwege ins Blaue und Grüne. Einen unvergesslichen Ausblick auf die Küste und tiefblaue Kraterseen umrahmt von weißen, blauen und violetten Blütenbällen hat man von einem der Vulkankegel der Insel. Dank der fruchtbaren Vulkanerde gedeiht das blaue Wahrzeichen des Archipels bestens und wuchert in manchen Gegenden mannshoch. Der Juli gilt als Garantiemonat für die Hortensienblüte, neben Faial sollte man auch einen Inselhüpfer nach Flores einplanen, denn der Inselname ist Programm.

Wildblumenblüte in Namaqualand
Wenn die Wüste sich in einen Blütenteppich wandelt, spricht auch der letzte Spötter nicht mehr nur von “ein paar Gänseblümchen, die es doch überall gibt”. Tatsächlich sind es hauptsächlich Daisies, Gänseblümchen dem Namen nach, die nur wenige Tage im eher tristen Land an der Westküste Südafrikas für eine Farbexplosion sorgen. Namaqualand zieht jedes Jahr aufs Neue mit seinen gelb-orangen bis rot-violetten Blumenwiesen zahlreiche Besucher in die nördliche Kapprovinz. Ein unendlich weites Meer aus Wildblumen erstreckt sich zur Rechten und Linken, wo man fährt, wandert oder radelt. Foto-Safaris gehören im August und September hier zur meistgebuchten Ausflugsart – statt Löwen, Giraffen und Zebras zu 4000 Blumenarten, die es teilweise nur in dieser Halbwüstenlandschaft gibt.

Wer die Blüte erleben möchte, muss zum einen das Wetter in den Vormonaten beobachten und zum anderen etwas Glück haben. Regnet es viel im Juni und Juli, stehen die Chancen gut, zum afrikanischen Frühlingsanfang Ende August millionenfach bunte Blütenteppiche vor die Fotolinse zu bekommen. Von Kapstadt aus reisend sind bereits 60 Kilometer nördlich die ersten Blumenfelder zu finden, die größten Bestände gibt es im Namaqualand National Park.

 

 

erschienen in Abendzeitung 13/02/2010
in Reisen.de 07/02/2010
in OÖ Nachrichten 20/2/2010
in Stuttgarter Nachrichten



Stichworte: , , , , , , ,