Kakapos im Aufwind

Die gibt es nur hier! Nicht jedes Land kann das mit Stolz geschwellter Brust von seiner Fauna oder Flora behaupten. Neuseeländer können das. Denn dort gibt es auf Grund der abgelegenen Lage der Inselgruppe seltene Spezies wie sonst nirgendwo. Der Kiwi ist eines dieser Tiere und der grüne Nachtpapagei – Kakapo – ein anderes.
Mit großer Freude gab das neuseeländische Department of Conservation dieser Tage die Heimkehr von 26 jungen Papageien auf die Insel Codfish Island bekannt, die damit ihren Artbestand auf eine Stückzahl von 124 bringen. Zuvor wurden die grün-braunen Vögel in einer Hand-Aufzuchtstation auf dem Festland aufgepäppelt.
Die Leistung des Kakapo Recovery Teams besteht nicht nur in der Aufzucht und Überwachung des beinahe ausgestorbenen strigops habroptila, sondern darin, ihm eine Überlebenschance geboten zu haben, indem man vor über 20 Jahren kleinere, unbewohnte Inseln von natürlichen Feinden wie Katzen, Hunden, Füchsen und Wieseln „säuberte“, um dem flugunfähigen Vogel ein ungestörtes Leben an Land zu ermöglichen. Erst in den 1970ern hatte man den seltenen Papagei in der zerfurchten Bergwelt des neuseeländischen Fjordlandes wiederentdeckt. Sofort flog man die pummeligen Vögel auf entlegene Inseln vor der Südinsel, wo sie nicht Opfer vom Menschen eingeschleppter Räuber werden konnten. Ein 1982 erwirkter Rettungsplan sollte die bis dahin auf 22 Exemplare geschrumpfte Population vor dem Aussterben bewahren. Noch heute gilt das Ziel, mit menschlichem Eingreifen solange zu züchten bis 150 erwachsene Papageihennen zur Verfügung stehen, um den Artbestand zu garantieren.
Mit ihrer Seltenheit und ihrem kuriosen Charakter haben die Kakapos 1987 auch die Aufmerksamkeit von Science-Fiction Autor Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) erregt, der ihnen sogar ein Kapitel in seinem Buch „Die letzten ihrer Art“ widmete. Adams stellte damals humoristisch, aber treffend fest: „Als einem mit diesem Vogel konfrontierten Nicht-Zoologen drängte sich mir die Frage auf, ob sich die [...] Natur diesen Vogel nicht einfach am Rande ausgedacht hat.“
Zu Adams Verteidigung muss man sagen, dass der Kakapo nicht nur mit einem fäkal assoziierenden Namen geschlagen ist, sondern auch auf anderen Gebieten seiner Existenz keine besonders gute Figur macht. Der Kakapo ist der größte und fetteste Papagei der Welt. Dazu ist er flugunfähig, verteidigt sich nicht gegen Feinde (denn sowas kennt er eigentlich gar nicht) und vermehrt sich auf solch komplizierte Weise, dass es ein Wunder ist, überhaupt noch Kakapos vorzufinden. Schuld ist die Natur selbst, die es einrichtete, dass die Papageien-Weibchen nur dann in Wallung geraten, wenn die ebenfalls recht seltene Rimufrucht (eine Eibenart) reif ist. Da dies nicht jedes Jahr geschieht, kann auch der Vogel nicht jedes Jahr etwas geschehen lassen. Nur alle 3 bis 4 Jahre legt die Henne daher ein Ei. Selten sind es mehr als eins. Sollte das eine Ei in seinem Bodennest überleben, kann das Küken zu einen bis zu 60 Zentimeter großen und bis zu drei Kilogramm schweren Papagei heranwachsen.
Wenn es sich dabei um einen Drei-Kilo-Hahn handeln sollte, wird er im zarten Alter von fünf Jahren das erste Mal all sein Gewicht in eine der bizarrsten Balzen des Tierreichs legen. Der Kakapo sitzt dabei in einer Erdkuhle und plustert – für Papageien einmalig – die Luftsäcke an seinen Brustseiten auf und presst dabei bassartige Töne in die Nacht, die laut Adams Beschreibung an ein riesiges klopfendes Herz erinnern. Diese schaurige Tonkulisse erschallt über mehrere Monate allnächtlich durch die Lüfte der neuseeländischen Inselwelt, woraufhin die Hennen auf die vermeintliche Geräuschquelle zumarschieren. Allerdings scheint das Herzklopfen von überall herzuschallen, denn die tontechnisch gewieften Hähne hocken meist an einer Steilwand, von wo die „boom“-Wellen in alle Richtungen getragen werden. Dass dabei so manches Weibchen gar nicht erst am Nest ankommt, erklärt sich demnach logisch. Wenn sie dann auch noch unreife Rimufrüchte geboten bekommt, war alles Geschrei der Männchen umsonst. Eine Tragikomödie aus dem Tierreich, die einen Auftritt des Menschen scheinbar erfordert. Und dann darf der Mensch auch stolz sein, wenn die letzten vier komischen Vögel des großen Wurfs von 2009 ausgewildert werden können und sich gegenseitig mit Herzschlägen suchen und haschen müssen bis sie diesen Anflug des Ausstrebens überlebt haben.
Weitere Informationen:
Kakapo Recovery Programm
Buchtipp: Douglas Adams „Die letzten ihrer Art“, erschienen im Heine Verlag
erschienen in T-Online Lifestyle/Zoo- & Wildtiere, 2/9/2009

Stichworte: Kakapo, Neuseeland, Papagei, Tierschutz, Vogel

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