Tierischer Krankenpfleger

Flipper, der lustige Delfin, hat sie populär gemacht. Greenpeace hat sie publik gemacht. Und Aquarien wie Delfinarien weltweit halten das Image vom drolligen Fisch zum Spielen aufrecht. Delfine gehören wie Pferde zum Traum aller Mädchen vom seelenverwandten Tier, das glücklich und unbeschwert macht. In so genannten Delfin-Akademien werden die verspielten Wassersäugetiere für den Umgang mit Menschen trainiert. Denn eine Begegnung mit den lächelnden grauen Meeresbewohnern taut das Gemüt von depressiven wie auch autistischen Patienten nachweislich auf.

Viele der Kunststückchen, die die Tümmler in solchen Delfinarien vorführen, haben sie nicht von ihren Trainern gelernt. Sprünge und Saltos werden als natürlicher Spieltrieb interpretiert, bringen sie aber auch im Wasser schneller voran und macht sie zu wahren Akrobaten der Meere. Den Tieren beizubringen, wann sie ihre natürlichen Talente in einer Show präsentieren, ist das Verdienst von Pfeifen und Lobfischen.

Die Heilwirkung, die von Delfinen ausgehen kann, sehen Wissenschaftler vor allem in der direkten Berührung mit dem Tier. Durch das Streicheln der weichen, glatten Delfinhaut und das Schwimmen mit den verspielten Tümmlern sollen sich bei vielen Patienten Blockaden lösen. Dass Delfine untereinander nicht nur über Pfeifen, Schnattern und Knacklaute oder das Echolot kommunizieren, sondern auch durch Körperkontakt, kommt dieser Therapiemethode zugute. Der Kontakt zum Menschen kann schnell antrainiert werden, obwohl es sich bei der Gattung Delphinidae um Raubtiere mit spitzen Zähnen handelt.

Die meisten der Akademie-Delfine, beispielsweise auf Hawaii, Curacao oder in Israel, werden schon im Großaquarium geboren und kennen nicht die unermesslichen Weiten des Ozeans. Von den Leitern des Aquariums ist zu erfahren, dass Delfine auch in Freiheit keine großen Territorien bewohnen. Lediglich zum Jagen lassen sie größere Strecken hinter sich. Die schnellen Schwimmer können mit bis zu 55 Stundenkilometern durch die wilden Wellen der Freiheit sprinten. Im Schwimmbecken aber muss Flipper nicht jagen, bekommt den Fisch fürs Lernen und Spielen zugeworfen und vermisst den Auslauf scheinbar nicht.

erschienen in T-Online Lifestyle/Zoo & Wildtiere, 15/4/2009