Shetland – Schätze im Steingarten

Für gewöhnlich ziehe ich meine Urlaubsbilanz meist nach demselben Kriterienkatalog: Fotos, Regentage, Sonnentage, SMSe nach Hause, Postkarten, Krankheiten, Erlebtes. Auf diesem Rückflug von Sumburgh nach Glasgow bilanziere ich jedoch als erstes: 22 Leute. 22 Menschen bin ich in sechs Sonnentagen begegnet, deren Lebensgeschichten mir noch immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Meet the Scots“ rät das schottische Tourismusamt. Was soll ich sagen: Auf den Shetlands traf ich fast keinen Schotten! Dafür Engländer, Amerikaner und Wikinger. Vor allem aber Shetländer.

Sie schlenderten mit mir durch ihre Städte, Museen, Klippenlandschaften und Brauereien. Sie wanderten mit mir durch Raubmöwenkolonien und schipperten mich an sturmumtosten Klippen vorbei. Einer von ihnen kletterte sogar auf ein überdachtes Wikingerschiff, samt Bügeleisen. Die Bewohner der Shetlands haben eins gemeinsam: Sie verehren die Abgeschiedenheit ihrer Inseln und die damit einhergehende, eigenwillige Entwicklung ihrer Kultur. Anders ausgedrückt: Die sind doch alle ein bisschen verrückt da oben!



erschienen in Tagesspiegel 19/04/2015