Emilia-Romagna – Väterchen Rost


Über schwindlig schlängelnden Serpentinen thronen Burgen und Festungen, die Hochstapler beherbergten und Freifrauen gefangen hielten. Auf kleinen Weingütern werden Selbstgekelterter und Olivenöl angeboten und dicke Bratwürste vom romagnolischen schwarzen Schwein zum Picknick gereicht. Wer hier her kommt, besucht bella Italia, wo es bellissima ist, wo Balsamico und Parmesan noch traditionale sind und wo alte Handwerke noch leben.

Eines davon führt Alfonso Marchi im Dörfchen Santarchangelo fort, nur eine Stunde von der Provinzhauptstadt entfernt. Der rüstige 73-jährige geht mit ernster Miene ans Werk. Er muss doch wissen, dass man heutzutage nur Kleinnager ins Laufrad schickt. Doch Signore Marchi will ernsthaft begeistern, tritt in das fünf Meter hohe Holzrad und läuft los. Knarrend und behäbig hievt sich der tonnenschwere Mangelstein, über ein Seil mit dem Rad verbunden, nach oben.

rost

erschienen in Rhein-Neckar-Zeitung, 17/7/2010